Zeitungsartikel

Johnsen/Wulff als Duo unschlagbar

Auch die dritte nbr-Premiere am Montagabend im Stadttheater war ein voller Erfolg

"De Reis na Kapstadt" von Theodor Schübel ist von der Ohnsorg-Schauspielerin Meike Meiners ins Plattdeutsche übersetzt und von Gastregisseur Peter Schreiber, Kiel, inszeniert worden.

Die Geschichte beginnt zunächst ein wenig zäh. Das liegt daran, dass die Zuschauer die Hintergründe erfahren müssen, auf denen das Lustspiel aufbaut. Kalle (Hans Jürgen Bromm) wird beim Techtelmechtel mit der flotten Lotte (Martina Andreä) beinahe von seiner Frau, der netten Annette (Karin Lohr), erwischt.

Er flieht in Panik, rammt einen Streifenwagen und begeht Fahrerflucht. Nun muss er für vier Wochen "achter Tranen". Kalle löst das Problem, indem er Annette und Schwiegermutter (Ingrid Marsau) erzählt, er müsse im Auftrag seiner Firma nach Kapstadt...

Im zweiten "Törn" zurückgekehrt, beginnt der turbulente Bühnenspaß. Sexy Lotte mit den langen Beinen lässt Kalle nicht aus den Fängen, und die brave Annette wird vom spießigen Lehrerkollegen Robert (Eggert Delfs) angebaggert, der Kalle inzwischen auf die Schliche gekommen ist. Als dann die beiden Knastbrüder Hansotto und Kurtchen als "Kollegen aus Kapstadt" auftauchen, wird die Story so richtig rund, und Kurtchen stiehlt das Herz von "Wittfru" Elfriede.

Heinz Johnsen als Hansotto und Wolfgang Wulff als Kurtchen stehen dem legendären Komiker-Paar Jack Lemmon und Walter Matthau in keiner Weise nach. Großartig das synchrone Auftreten - allein die unschuldig-verschmitzte Mimik der nbr-Oldies ist das Eintrittsgeld wert. Die Zuschauer biegen sich vor Lachen.

Das Duo spielt in seinen - zugegebenermaßen - dankbaren Rollen alle anderen an die Wand, obwohl das ganze Team sein Bestes gibt und die unterschiedlichen Charaktere sehr ansprechend interpretiert. Das Publikum ist hochzufrieden - und rät zuletzt den Zielort laut mit, denn Hansotto und Kurtchen wollen verreisen: Nach Kapstadt? Lassen Sie sich überraschen.

Grand Prix im Stadttheater

Der Grand Prix Eurovision findet in Rendsburg statt - und das gleich viermal in einer Woche: Der Kult- Wettbewerb setzt den rasanten Schlusspunkt unter die vom Publikum begeistert aufgenommene neue Inszenierung der Niederdeutschen Bühne.

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Fußballkarten gefällig? Florian Schwarz, Hans-August Capell und Rolf Schröder (von links). Foto: Mahnkopf

Ganze Arbeit hat Hans-Jürgen Polleit mit dem Stück "Why not?" von Frank Pinkus geleistet. Nachdem er das Mini-Musical für die Erstaufführung vom Hoch- ins Niederdeutsche übertragen hatte, setzte er "Worüm nich?" als Regisseur in Szene und sorgte auch noch für ein schlichtweg überzeugendes Bühnenbild.

In zarten Regenbogenfarben leuchtet die Leinwand hinter der Brücke, von der drei aus unterschiedlichen Gründen mit dem Schicksal hadernde Männer sich stürzen wollen. Doch da sie sich nicht auf den Zeitpunkt einigen können, beschließen sie, dem Leben künftig die besten Seiten abzugewinnen.

Das Zusammenleben der drei mit Annäherung, Neid und Zank erlebt das Publikum ausschließlich in der Villenküche des reichen Bankers Marc (für diese Rolle hätte Florian Schwarz ein "geschniegelteres" Outfit gut angestanden). Dass der schwule Gastgeber sich in ihn verguckt hat, ist für den als Landwirt gescheiterten, schlicht gestrickten Charakter Kay (Hans-August Capell), nicht das größte Problem. Er lässt sich sogar zum Foto-Shooting für einen erotischen Männer-Kalender überreden. Auch der arbeitslose Schauspieler Michael (Rolf Schröder) hat nach anfänglichen Irritationen keine Schwierigkeiten, in Marc einen ganz "normalen" Mann zu sehen. Worüm ok nich?

Es gibt köstliche Szenen (die Gäste, die sich nach der "Offenbarung" der Neigung Marks hinterm Vorhang verstecken, Kay und Michael, die im Dunas Bauch an Bauch gegenseitig ihre Brusthaare inspizieren). Polleit hat sich außerdem ein paar entzückendüberraschende Gags einfallen lassen (Stoffhund "Marlon Brando", der unvermutet das Bein hebt, die vom Bühnenhimmel schwebenden Gitarren, die auf die Boy Group regnenden Plüschtiere).

Und es gibt die eingängigen, im Original belassenen Musical-"Hits" von Ines Lange und Jan-Henning Preuße, die von den Back Street Toys nach ihrem Grand-Prix-Triumph (zwölf Punkte für Deutschland aus Österreich!) aus der Rängen noch einmal mitgeklatscht wurden. Die nbr-Gemeinde verstand es offenbar auch, mit dem angeschnittenen heiklen Thema umzugehen, das verschmitzt-anzüglich, aber nie schmutzig schlüpfrig behandelt wurde.

Jubel, herzlicher Applaus und "Zugabe"-Rufe waren da - Echo eines dankbaren Publikums. Beim Verlassen des Theaters waren Sätze zu hören wie "Das war stark", "Ein tolles Stück". Es wurde aber auch Kritik an der Akustik laut. In der Tat waren die drei Darsteller oft schlecht zu verstehen, weil sie leise oder nuschlig sprachen und sangen. Aber das lässt sich ja vielleicht noch abstellen. Worüm nich?

Furioser Auftritt für die nbr-Saison

Lachsalven und verdienter Applaus nach der Premiere von "De Brodermord"

Mit "De Brodermord" ist der Niederdeutschen Bühne Rendsburg (nbr) ein furioser Start in die neue Spielzeit gelungen. Das Publikum quittierte die "mordslustige" Komödie in drei Akten von Rinje Bernd Behrens bei der Premiere am Montagabend im Stadttheater mit anhaltenden Lachsalven und herzlichem Applaus.

Und den haben sich die Amateurschauspieler auch redlich verdient, die - alle ohne Ausnahme - unter der geschickten Regie von Speelbaas Gerd Stange zu großer Form auflaufen. Trotz einiger weniger Hänger am Anfang (Toseggersch ist Katharina Lissokowsky) finden die Dasteller schnell zu ihrem Spiel und bieten vor ausverkauftem Haus beste Unterhaltung. Dazu trägt auch das überaus ansprechende Bühnenbild von Jens-Uwe Jahnke und Manfred Rothstock bei.

"Gift hat bei Adligen Tradition", bringt Albertine Heisterdorp (herrlich "fürnehm" Martina Andreä) das Bühnengeschehen auf den Punkt. Sie und ihre Schwester Eugenia (schön "ssteif" Waltraud Lenk) und Dorothea genannt Dora (erfrischend bodenständig Claudia Hübner) müssen um ihr Erbe, die alte Familienvilla, bangen. Bruder Fritz (routiniert Hans-Otto Schäpe) ist nämlich nach langer Fahrenszeit als Kapitän nach Hause gekommen - im Schlepptau die junge Susi (reizend Anna-Katharina Knuppe), seine Braut? Was liegt also näher, als den bevorzugten "Magenknutscher" von Fritz zu vergiften mit dem Erfolg, dass die adligen Damen nun eine Leiche im Keller haben.

Mittendrin in allen Wirren und Irren - und das ist für das Happy End unerlässlich - überzeugen Sven Harder als Dorfgendarm Heino Bölker und Christian Ramcke als Steuermann Peter Frese. Allein die Szene, in der die sympathische und so wenig vornehme Dora dem netten Gendarm Heino einen "Magenknutscher" verabreicht, ist den Eintritt wert. Die beiden verstehen sich nicht nur gut, sondern sind auch für's Publikum besonders gut verständlich.

Kompliment an das ganze Ensemble für einen höchst vergnüglichen Abend: De Brodermord ist ein Mordsspaß. Zu sehen heute, Donnerstag und Freitag (20 Uhr) und Sonntag (19 Uhr) im Stadttheater.

Termine

Fr, 27 Jul 2018 , 18:00 Uhr
nbr Sommerfest
Sehestedt, Heuherberge Naeve
nur für nbr-Mitglieder
Mo, 22 Okt 2018 , 20:00 Uhr
Vörnehme Bagaasch
Rendsburg, Stadttheater
*PREMIERE*
So, 28 Okt 2018 , 19:00 Uhr
Vörnehme Bagaasch
Rendsburg, Stadttheater
Fr, 16 Nov 2018 , 20:00 Uhr
Vörnehme Bagaasch
Rendsburg, Stadttheater

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