Zeitungsartikel

Wenn die alte nbr-Garde im "Sünnschien" glänzt

Freundlichen Beifall, der zum Teil in rhythmisches Klatschen überging, spendete das Publikum am Montag einer Premiere im Stadttheater: Mit "Pension Sünnschien" geht die Niederdeutsche Bühne Rendsburg in ihre 71. Spielzeit.

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Na denn Prost: Heinz Johnsen, Jubilarin Wiebke Maas, Wolfgang Wulff und Waltraud Lenk (von links). Foto: Mahnkopf

Rendsburg - Eins vorweg: An Missstände, wie sie immer wieder aus Alten- und Pflegeheimen geschildert werden, darf der Besucher des Volksstücks von Karl Wittlinger nicht denken. Im Gegensatz dazu geht es in der "Pension Sünnschien" vergleichsweise harmlos zu. Die von Hartmut Cyriacks und Peter Nissen ins Plattdeutsche übertragenen Szenen zeigen schließlich nur die kleinen Schikanen eines Besitzer-Ehepaares. "De Salmonellsch" Thea Hinz hat trotz des eleganten Plisseerocks die Hosen an. Der "Wilde Otto" Arthur Meyer gibt mit kariertem Hemd und Hosenträgern eher den Hausmeistertyp.

Gastregisseur Hinnerk Walbohm hat die Komödie um einen von der Hausordnung bestimmten Pensions-Alltag eher mit behutsamer Hand und ohne Krawall inszeniert. Trotzdem lässt er es nicht an deftigen Worten fehlen.

Und die werden, wen wundert's, spielt die Geschichte doch in einem Seniorenheim, von der alten Garde der nbr gesprochen. Zwar fielen bei der Premiere hin und wieder Hänger im Text auf, doch die Besetzung mit den Publikumslieblingen der vergangenen Jahre ist eindeutig ein Pluspunkt der Aufführung.

Hauptfigur Waltraud Lenk glänzt nicht nur mit ihrer Kodderschnauze, sondern auch beim Auftritt als Nachwuchs-Model, wobei der Familientisch als Laufsteg herhält. Wolfgang Wulff als "aftokelten Provinzkasper" drapiert in perfekter Künstlermanier den Schal um seinen Hals, und Heinz Johnsen erntet Lacher auf offener Szene, wenn er heim Reparieren einer Uhr den Kuckuck mit "Ruhe!" zur selben zu bringen versucht.

Seine Bühnen-Ehefrau Gerda Kühl ist bemüht, auch nach dem Bankrott die Bankiersfrau herauszukehren.

Die Letzte im Bunde stand am Ende besonders im Rampenlicht: "Luftklavier-Spielerin" Wiebke Maas wurde für 40-jährige nbr-Mitgliedschaft mit der goldenen Ehrennadel des Niederdeutschen Bühnen­bundes ausgezeichnet.

Weitere Aufführungen im Stadttheater finden heute, am Donnerstag und Freitag jeweils um 20 Uhr sowie am Sonntag, dem 9. Oktober, um 19 Uhr statt. Carmen Haller

Wenn die Familienfeier ins Chaos ausartet

"De Dach fangt mies an un hält mies op". Mit diesem Zitat ist im Großen und Ganzen der Inhalt des jüngsten Stücks der Niederdeutschen Bühne Rendsburg wiedergegeben. "Noog is nich noog", in dem eine total verkorkste Geburtstagsfeier geschildert wird, hatte am Montagabend Premiere

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Kürbis überm Kopf: Rolf Schröder und Reinhard Werner (von links)sind Teile einer streitlustigen Gesellschaft. Foto: Polleit

Die Titelmusik von "Ein Herz und eine Seele" erklingt - doch nicht Ekel Alfred Tetzlaff verbirgt sich hinter dem Theatervorhang, sondern ein geschmackvolles, modernes Bühnenbild, das mit einem bewundernden "Oooh" vom Publikum begrüßt wird.

Zwischen eleganten Esszimmerstühlen und einem Gemälde, das Miro alle Ehre machen würde, werden die Zuschauer Zeugen einer Familienfeier, wie sie jeder wohl schon einmal ähnlich erleben "durfte". Das ganz große Vergnügen an der von Magnus von Rolander "op Platt" übersetzten Komödie von Nick Walsh will sich allerdings nicht so recht einstellen

Fast alle zu Erichs Geburtstag eingeladenen Gäste haben abgesagt. Doch der Gnadderbüddel hat schon vorher die Lust verloren und glänzt den ganzen Abend mit schlechter Laune und im Morgenmantel. Schließlich sind nur Schwager und Schwägerin gekommen, und mit denen kann es ja nur Krach geben.

Was vorherzusehen war, tritt ein. Und wird in einzelnen turbulenten Szenen auch dankbar belacht. Doch die vergnüglichen Augenblicke sind im Ganzen zu rar gesät in dem von Gastregisseur Hinnerk Walbohm inszenierten Stück. Zwar hat "Tüffel Achttein" Rolf Schröder häufig die Lacher auf seiner Seite. Er darf immerhin einige Male seinen Stuhl umwerfen, sich mit dem Buttermesser verletzen oder die Brille ramponieren. Doch insgesamt bekommt er zu wenig Gelegenheit, sein Naturtalent auszuspielen,

Das gilt auch für Heidi Organista. Ihre Rolle als beschimpfte doofe und nichtsnutzige Ehefrau des Geburtstagskindes, die endlich gegenüber der herrischen Schwiegermutter aus der Haut fährt, würde vielleicht sogar in ein Drama passen. Mit einem herrlich bösen "Ekel Erich" (Reinhard Werner) an der Seite, das an manchen Stellen Schaum gebremst wirkt.

Dass dem Stück die Puste ausgeht, beweist schon seine Kürze. Und die sorgt für Heiterkeit der Zuschauer: Als der Vorhang zur Pause herunter gelassen wird, bleiben sie zunächst in den Sitzen. Den freundlichen Türsteherinnen vom DRK, die jetzt eigentlich öffnen müssten hat niemand rechtzeitig mitgeteilt, dass der erste von insgesamt zwei Akten schon nach 42 Minuten beendet ist.

Bei dieser Feuerwehr bleibt kein Auge trocken

Mit der Komödie "Af op de Hallig" ist die nbr gut ins neue Jahr gestartet. Vor ausverkauftem Haus hat das Stück am Montagabend im Stadttheater den Zuschauern ein paar fröhliche Stunden beschert.

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Es brennt: Die Feuerwehrleute Jan, Lehrling Olaf, V und Buttje (von links) rücken zum Einsatz aus. Foto: Polleit

"De hemm een an de Pann", schloss der Gerichtspräsident (Hartmut Lorenzen) zum Schluss messerscharf, nachdem er sich die Geschichte der Norderschnatebüller Feuerwehr angehört hatte, und die durchweg zufriedenen Zuschauer bestätigten diese Einschätzung mit lang anhaltendem Applaus. Die Niederdeutsche Bühne Rendsburg (nbr) hat mit der Komödie "Af op de Hallig" den Publikumsgeschmack getroffen, und die Premiere am Montag im Stadttheater vor ausverkauftem Haus war ein voller Erfolg.

"Speelbaas" Hans-Jürgen Polleit hat das Stück von Regine-Mirjam von Jankó ins Plattdeutsche übertragen sie selbst konnte sich bei der Premiere vom Erfolg überzeugen. Er führt nicht nur Regie, sondern ist auch für das gelungene Bühnenbild verantwortlich. Die Feuerwache anno 1910 ist liebevoll mit historischen Stücken ausgestattet, dazu gehört auch Wilhelm Zwo" als Pin-up im Schrank.

Polleit war, wie er im Programmheft schreibt "von den herrlichen Typen fasziniert, die so vortrefflich charakterisiert und zu Papier gebracht worden sind." Und in der Tat ist die Story von den zündelnden Feuerwehrleuten etwas wirr, sie lebt von den Charakteren. Dieter Sieh entfaltet als Buttje Kock ein Feuerwerk an Slapstick, erlebt seine umwerfende Mimik zur Freude des Publikums so richtig aus. Eine ebenso dankbare Rolle hat Klaus Woldt, der als "oller Tüffel Jan" stotternd, gern mal dun und ungemein hintersinnig den Zuschauern die Lachtränen ins Auge treibt. Frank Priess überzeugt in der nicht ganz stimmigen Rolle als Vikar Niels und Rolf Dammann gefällt als biederer Feuerwehrmann Lars. Als vielversprechendes Nachwuchstalent stellt sich Feuerwehr-Lehrling Olaf (Philemon Binder) vor.

Die Norderschnatebüller Feuerwehrleute liegen mit ihren Frauen tüchtig im Clinch: Grit Kock, Buttjes Frau, macht ihnen die Hölle heiß. Für Heike Rohwer, die authentisch keifende Plattdüütsche, kein Problem, was ihr mit Szenenapplaus gedankt wird, und auch ihre Tochter Nele (Anna­Katharina Knuppe) meistert ihre Nebenrolle bestens.

Ein Star der Bühne blieb allerdings unsichtbar: Die "Toseggersch" Waltraud Lenk. Das Lampenfieber hatte wohl gerade den Hauptdarstellern zugesetzt: Nach anfänglichen Stolpersteinen fanden sie mit ihrer Hilfe zum Text zurück. Bei der sich steigernden Spielfreude der gut aufgelegten Amateurschauspieler taten diese kleinen Pannen dem Spaß am Bühnengeschehen jedoch nur wenig Abbruch. Susanne Wiemer

Wenn der Bischof mit einer resoluten Wirtin frühstückt

Heiterkeitsausbrüche auf offener Szene und einen langen warmen, wenn auch nicht frenetischen Schlussapplaus erntete die Niederdeutsche Bühne Rendsburg für die zweite Premiere der Spielzeit.

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Eine Dame sinkt in Ohnmacht: Brigitte Bombe, Rolf Schnöder und Claudia Hübner (v. l.). Foto: Polleit

"Hier bün ick, hier bliev ick", stellt Claudia Hübner alias Annette Michelsen am Ende des ersten Aktes im gleichnamigen Lustspiel fest. Die Premieren-Zuschauer hätten am Montagabend sicher nichts dagegen gehabt, wäre sie noch ein bisschen länger auf der Bühne geblieben: Mit ihrer burschikos-erfrischenden Darstellung der hemdsärmeligen Wirtin, die durchaus auch ihre weiblich-weiche Seite hat, war die Schauspielerin der erklärte Liebling des Publikums.

Regisseur Gerd Stange hatte sich für seine Inszenierung kein einfaches Stück ausgesucht. Udo Franken übersetzte das Lustspiel in drei Akten aus dem Französischen ins Ostfriesen-Platt. Dieses wurde zwar geglättet, enthielt jedoch auch in der Rendsburger Fassung noch einige im hohen Norden unbekannte Wendungen. Zu sehen war eine Verwechslungskomödie mit den üblichen Irrungen und Wirrungen. Sie wirkte aber in einigen Szenen schaumgebremst, was durchaus Absicht des Regisseurs gewesen sein könnte. Das mag eine Theaterbesucherin -in der Pause zu dem Urteil "Es plätschert so dahin" veranlasst haben.

Den herzlichen Abschied durch die Theaterfreunde hatte das Ensemble sich nicht zuletzt mit kleinen, feinen Szenen verdient; etwa bei den vor einer Tür in Bückling-Stellung verharrenden Männern, die nicht bemerken, dass der so ehrerbietig Erwartete einen ganz anderen Eingang benutzt. Oder der aufgeplusterte Diener Johan (Sven Harder), der seiner Herrin (Brigitte Bombe: jeder Zoll die feine Dame) den Morgenmantel abstaubt. Und ein Vergnügen war es, dem ungleichen Paar Wolfgang Wulff als feinsinniger, volksnaher Bischof und der zupackenden Claudia Hübner beim Frühstück zuzusehen und -zuhören. Nicht ganz auf ihre. Kosten kamen die Fans von Rolf Schröder, der sein komödiantisches Können in der Rolle des lethargischen Hubert nicht voll ausspielen konnte. Ein Gewinn für die Bühne ist die 17-jährige Katharina Lissowsky, die in ihrer ersten Rolle viel Talent zeigte. Gut verzichten können hätte man dagegen auf die überflüssige Sequenz mit dem Baby.

Weitere Aufführungen gibt es im Stadttheater heute, morgen und am Freitag um 20 Uhr sowie Sonntag, 21. November, ab 19 Uhr.

Ein amüsantes Spektakel

Die Niederdeutsche Bühne Rendsburg feierte mit "Spektakel bi Chrischan" die Premiere ihrer 70. Spielzeit in einem ausverkauften Stadttheater. Das liebevoll inszenierte Stück sorgt für zwei kurzweilige und amüsante Stunden.

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Krach im Garten: Martina Andreä und Olaf Lauenroth, mit den Nachwuchsschauspielern Mario Organista und Hanna Krambeck (v.l.) in der mühevoll und "naturgetreu" gestalteten Kulisse von Jens-Uwe Jahnke und Manfred Rothstock. Foto: Mahnkopf

Was für ein Spektakel war das am Montagabend im Landestheater bei der Premierenvorstellung der 70. Spielzeit der Niederdeutschen Bühne. Nachbarschaftsstreitigkeiten, Ehekrach, eine vom verhassten Finanzbeamten geschwängerte Tochter, ein toter Gartenzwerg, eine Klatschtante, die immer wieder die Wahrheit verdreht - und am Ende steht alles in Flammen.

Gastregisseur Hinnerk Wahlbohm brachte alles unter einen Hut und bescherte den Zuschauern mit dem Lustspiel "Spektakel bi Chrischan - Der Gartenzwergmord" von Gudrun Ebner zwei amüsante und kurzweilige Stunden. Die Lacher waren vorprogrammiert und folgten stets, denn jeder Zuschauer im ausverkauften Haus erkannte ein wenig von sich und seinen Lieben im Stück wieder - herrlich auf die Spitze getrieben, schamlos humorvoll überzogen.

Zwei Familien stehen dabei im Zwist: Bei den Vedderns regiert der nörgelige Pascha Chrischan, der seinen kitschig spießigen Garten der weiten Welt vorzieht, sich von vorne bis hinten bedienen lässt und nichts mehr liebt als seine Gartenzwerge (Olaf Lauenroth schien die Rolle des pöbelnden Familienoberhauptes auf den Leib geschneidert). Seine treusorgende Ehefrau Gerlinde (Martina Andreä, absolut überzeugend und spielerisch perfekt) muss zwar immer wieder ihre Wünsche zurückstecken, hält aber die Familie zusammen. Die schwangere Tochter Suse steht überall zwischen den Stühlen (Hanna Krambeck, erst 16 Jahre alt und ein Nachwuchstalent der nbr). Nachbarehepaar Sagebiel lebt etwas mondäner in seiner Spießigkeit. Ingrid Marsau trifft genau die Rolle der Inge Sagebiel, die nach ihrer Indienreise nur noch "Indira" genannt werden will und statt Kittelschürze Sari trägt. Sie hat als "eklige Kröte" im Hause das Sagen. Der ihr hörige Ehemann Egbert in Pluderhosen und Turban (Heinz Johnsen mimt gekonnt den Bedröppelten) trägt's erheiternd mit Fassung.

Währemd er und Gerlinde immer mehr zu Leidensgenossen werden und sich verbünden - was von der Tratschtante Edelgard von Söötbach (Irmgard Greve routiniert gut) stets "rein zufällig", aber genauestens beobachtet wird, spitzen sich die Uneinigkeiten zwischen Indira und Chrischan zu.

Als Chrischan erfährt, dass seine Tochter schwanger ist, aus dem Nachbargarten laut indische Musik ertönt, während er seinen Fußball sehen will (auch für die Zuschauer zuweilen etwas laut), seine Frau fremdgeht und sein Marschmusik-Gartenzwerg "tot" ist, droht die Situation vollends zu eskalieren.

Doch es sieht gut aus. Die Streitigkeiten sind am Ende vergessen und alle liegen sich in den Armen. Die Moral von der Geschicht kommt allerdings ganz schön schnell und etwas platt: Jeder muss mal zurückstecken, alle sollen füreinander da sein und in Freundschaft lebt es sich besser. Ende gut, alles gut - bis auf das Ende. Zum Glück aber leidert das Gesamtstück kaum unter dem abrupten Schluss. Die nbr hat mit diesem rasanten Bühnenstück wieder einmal bewiesen, was sie zu leisten vermag. Die Zuschauer dankten mit Szenenapplaus, Gelächter und einem braven Beifall am Ende.

Termine

Mo, 22 Okt 2018 , 20:00 Uhr
Vörnehme Bagaasch
Rendsburg, Stadttheater
*PREMIERE*
So, 28 Okt 2018 , 19:00 Uhr
Vörnehme Bagaasch
Rendsburg, Stadttheater
Do, 1 Nov 2018 , 19:30 Uhr
Vörnehme Bagaasch
Rickert, Ortsbegegnungsstätte
Fr, 2 Nov 2018 , 19:30 Uhr
Vörnehme Bagaasch
Schleswig, Hotel Hohenzollern
Sa, 3 Nov 2018 , 19:30 Uhr
Vörnehme Bagaasch
Osterrönfeld, Alter Bahnhof

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